Dreischeibenhaus

Aufbruch in die Moderne 

Das am südlichen Rande des Hofgarten gelegene Dreischeibenhaus gilt als Inbegriff deutscher Nachkriegsarchitektur und der Bau als ein Symbol des Wirtschaftswunders.

International blieb dem Bauwerk die Anerkennung jedoch versagt und wurde von Kritikern lediglich als Ableitung amerikanischer Glasfronten betrachtet ohne den überzeugenden Rationalismus im Sinne Mies van der Rohe.

Das Dreischeibenhaus ist nicht zu trennen von der grundlegenden städtebaulichen Neuordnung dieses Bereiches nach dem Krieg, wobei an Stelle der zerstörten, kleinteiligen Wohnbebauung nun weitläufige Freiflächen entstanden, teils als Grünflächen, teils „der beispiellosen Entwicklung des motorisierten Verkehrs“, (wie es zeitgenössisch hieß) gewidmet, aus welchen sich nun weithin sichtbar der Solitär des Thyssen-Hauses erhebt.

Geschichte

Als Bauherr trat die Firma Phoenix-Rheinrohr AG auf, welche auf der Suche nach einem bedeutenden Bauplatz in einer Großstadt war und deren Wahl auf das Gelände am Jan-Wellem-Platz fiel, wo seinerzeit, also 1954, die künftige Nutzung noch offen stand. In einem städtebaulichen Modell wurden der genaue Standort und letztlich auch der Baukörper aus den drei Scheiben festgelegt. Den darauf anschließenden Architektenwettbewerb gewannen 1955 Hentrich und Petschnigg aus Düsseldorf. Der Bau wurde 1960 fertig gestellt.

Gestalt

Der Baukörper ist in drei gegeneinander versetzte Scheiben gegliedert, von denen die mittlere die beiden äußeren um drei Geschosse überragt. Die Stahlskelettkonstruktion ist über einen Grundkörper mit drei Technikgeschossen errichtet. An den Außenseiten ist ein curtain-wall aus Aluminium und Glas vorgehängt. Die Schmalseiten sind mit Edelstahlblechen verkleidet. Um die Windlasten der Breitseite von 1.200 t abzutragen sind zudem jeweils zwei „Scheiben“ mittels Stahl-Fachwerkrahmen in Querrichtung zusammengefasst, welche auch von außen erkennbar sind.

Raumordnung

Der Bau besteht also nur optisch aus drei separaten Scheiben. Im Inneren befindet sich über die gesamte Grundfläche ein herkömmlicher Bürogrundriss auf einem Achsraster von 1,40 m mit einem mittleren Kern für Treppen und Aufzüge. Das seit 1988 unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1992 innen wie außen vollständig saniert, auch um einigen bauphysikalischen und konstruktiven Mängeln der Entstehungszeit zu begegnen. So mussten vor der Sanierung beispielsweise bis zu hundert Fensterscheiben pro Jahr erneuert werden, da die Konstruktion z.B. durch die Windlasten überbeansprucht war.

Abbildung

Fotos: Jochen Boskamp

Fakten

Architekten: HPP Hentrich-Petschnigg & Partner Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg mit Fritz Eller, Robert Walter, Erich Moser und Josef Rüping Städtebauliches Ensemble: Dreischeibenhaus, Schauspielhaus,Tausendfüßler (Abriss 2013)

Architekt

HPP Hentrich-Petschnigg & Partner GmbH + Co. KG  www.hpp.com Die Düsseldorfer Architektenpartnerschaft arbeitet seit der Gründung durch Prof. Hentrich im Jahr 1933 mittlerweile in der vierten Generation. Zu den bekanntesten Projekten der Firmengeschichte zählen das „Dreischeibenhaus“ in Düsseldorf, die Sanierung des Leipziger Hauptbahnhofes, die Arena „Auf Schalke“, die Düsseldorfer Tonhalle sowie die Revitalisierung des Grand Hotel Heiligendamm. Gebäude in Düsseldorf: Drahthaus (1951-1952), Verwaltungsgebäude Wayss & Freytag (1966-67) Tonhalle (1973-78, 2005)

Adresse / Lageplan

Größere Kartenansicht Adresse August-Thyssen-Straße 1, 40211 Düsseldorf

Gastro / Umgebung

Klee's, Malkasten, Gastro vom Schauspielhaus Hofgarten, Königsallee