Christus-König-Kirche | Familien-Zentrum-Oberkassel

Ein spannendes Beispiel für eine nachhaltige und angemessene Umnutzung ehemals sakraler Räume ist in Düsseldorf-Oberkassel entstanden.  Die Christus-König-Kirche stellt ein bedeutendes Zeugnis moderner Architektur der 1920er Jahre dar und wurde 1987 unter Denkmalschutz gestellt.  Dieses Bauwerk wird zum Jahr 2014 durch den Einzug einer 6-zügigen Kindertageseinrichtung und eines Familienzentrums neu belebt.

 

Kirchenbau | Umnutzung, Verantwortung und Nachhaltigkeit

Eine Umnutzung ist oft die letzte Rettung für sakrale und andere historische Gebäude, die in ihrer ursprünglichen Funktion nicht mehr tragbar sind. Dabei ist unabdingbar, bei dem Typus der neuen Nutzung und der Umbaumaßnahme der Immobilie die gleichen hohen Maßstäbe anzulegen, wie bei der ursprünglichen Erstellung des Gebäudes. Kirchen sind nicht nur Stadtbild prägende Bauwerke, sondern verkörpern eine spirituelle, symbolische Kraft auch über ihre Profanierung hinaus. Sie sind baukulturelles Bildnis ihrer Zeit. So stehen Bauherr und Architekt in besonderer Verantwortung eines respektvollen, klugen und vor allem nachhaltigen Umgangs mit der „Ressource Kirche“.

Bestand | Neue Sachlichkeit der 20er Jahre

Die Kirche wurde mit ihrer Ausstattung 1987 in die Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf eingetragen. In ihrer glatten, kubischen Gestaltung stellt sie ein bedeuten-des Beispiel der Architekturrichtung der 1920er Jahre dar. Architekt Franz Schneider nutzte die technischen Möglichkeiten seiner Zeit. Außen suggerierte der langgestreckte Bau hohe Seitenschiffe. Innen aber lassen die stützenlosen Decken die Stahlbauweise des Neuen Bauens erkennen. Es ist dem Architekten in bemerkenswerter Weise gelungen, den Typus eines gerichteten Saalbaues mit dem Hinweis auf die christliche Tradition des Basilikabaues am Außenbau zu verbinden.

Revitalisierung | Neues Leben in der Kirche

Die Umbaumaßnahme an der Christus-König-Kirche orientiert sich an der hohen ästhetischen, emotionalen und historischen Qualität des Denkmals und dem bedeutsamen Identifikationswert des Kirchenbaus für das gesamte Stadtviertel. Die äußere Gestalt des 1929 errichteten Gotteshauses zeichnet sich durch große Reduziertheit aus. Ein längsrechteckiger Baukörper wird von abgestuften Giebelscheiben eingefasst. Seine Höhenstaffelung erinnert an eine Basilika. Der Entwurf der Architekten von pinkarchitektur greift die Erhabenheit des ursprünglich sakralen Gebäudes auf und überführt sie auf behutsame Weise in eine neue Nutzung im 21. Jahrhundert. Der die Längsfassaden prägende Rhythmus zwischen geschlossenen Wandflächen und senkrechten Fensterbändern wird im Nordosten beibehalten. Nach Südwesten wird der stützenlose Innenraum geöffnet. In die neue Fassade werden die historischen Buntglasfenster an gleicher Stelle integriert. Ein sich nach Südwesten öffnender Quader wird zwischen die Giebelwände geschoben und ruht auf der Fortsetzung des Klinkersockels. Dieser neue Baukörper ersetzt die bisher an dieser Stelle vorhandenen verschiedensten Anbauten. Über seine beiden Ebenen erhalten die Kinder einen direkten Zugang in den neu gestalteten, nach Südwesten gelegenen Garten.

Material und Gestalt

Der Erhalt der historischen Buntglasfenster, des Triumphbogens am Chorhaus, der Konchen und der farbig gestalteten, historischen Decke, prägen auch weiterhin die Einzigartigkeit des Raumerlebnisses. Der gestalterische Farbkanon orientiert sich an der bauzeitlichen Farbgebung.

Abbildung

Max Hampel, Düsseldorf

Fakten

Bauzeit: 2011-2013 Grundstück: 5.266 m² Netto- Geschossfläche: 1.763 m² Nutzung: Katholische Kindertagesstätte für 6 Gruppen mit Familienzentrum

Architekt

pinkarchitektur Neumannstraße 4, 40235 Düsseldorf www.pinkarchitektur.de

Adresse / Lageplan

Maasstraße 25, 40547 Düsseldorf

Gastro / Umgebung