Carsch Haus

Im Mai 1911 legte Paul Carsch der Stadt Düsseldorf sein Angebot vor: Die Firma Carsch beabsichtigte, den Block zwischen Flingerstrasse, Alleestrasse, Stadtbrückchen und Neubrückstrasse mit einem „einheitlichen Geschäftshaus nach Niederlegung der jetzt aufstehenden Geschäftsgebäude zu bebauen“. Zugleich wollte sich Carsch an einer notwendigen Verbreiterung der Flingerstrasse zwischen Allee- und Neubrückstrasse beteiligen.

Der Finanzausschuss der Stadt Düsseldorf billigte Carschs Neubaupläne. So beauftragte Paul Carsch den Architekten Otto Engler mit der Planung für sein „Haus für vornehme Herren- und Knabenbekleidung“.

Die Alleestrasse wurde damals im Süden noch nicht durch das erst später erbaute Wilhelm-Marx-Haus begrenzt. Im Gegenteil verbreiterte sich die heutige Heinrich-Heine-Allee an dieser Stelle zum Alleeplatz, damals mit dem Musikpavillon ein beliebter Anziehungspunkt für die Bevölkerung.

Das Carsch-Haus entsteht

Die Alleestrasse war zu jener Zeit zum Mittelpunkt der großstädtischen Entwicklung Düsseldorfs geworden. Mit dem Bau der Oberkasseler Rheinbrücken und der Eröffnung der Rheinbahnlinie nach Krefeld/Moers wurde 1989 die Alleestraße zur bedeutenden Einfallstraße für das linksrheinische Gebiet. In diesen blühenden Raum hinein plante Otto Engler das Carsch-Haus. Im April 1913 wurde der Bauantrag gestellt, im September die Baugenehmigung erteilt. Die Gebrauchsabnahme erfolgte im Februar 1915. Dazwischen lag die zweijährige Bauzeit für den fünfgeschossigen Eisenbetonbau mit den Sandsteinfassaden. Einige Bäume und kleinere Gebäude hatten dem Carsch-Haus weichen müssen. Darüber hatte es einige Diskussionen in der Öffentlichkeit gegeben. Inzwischen war der Krieg ausgebrochen. Doch selbst er konnte die wirtschaftlichen Hoffnungen und den allgemeinen Optimismus nicht beeinträchtigen.

Hindernis für Verkehrsplanung

Schon 1970 legte die Altstadtgemeinschaft ein Gutachten von Professor Robaschik vor. Im Interesse der besseren Verkehrsführung sei das Carsch-Haus abzubrechen. 1973 schlug das Hochbauamt eine Untersuchung vor, das Carsch-Haus abzubrechen und einen Neubau zur Kasernenstraße hin zu errichten. Ab 1973 wurde praktisch in allen öffentlichen Diskussionen immer wieder auf die Notwendigkeit eines Abbruches hingewiesen. Am 6.Juni 1974 beantragte die Stadt beim Regierungspräsidenten das Planfeststellungsverfahren für die U-Bahn Heinrich-Heine-Allee einschließlich Abbruch des Carsch-Hauses. Doch erst am 7. Juli 1978 erging der Planfeststellungsbeschluss. Und in diesen vier Jahren hatte sich- was das Carsch-Haus anging- die Welt verändert. Inzwischen hatte sich der Landeskonservator gegen den Abbruch gewandt. Sein Einspruch setzte einen Umschwung in der öffentlichen Meinung in Gang. Fünf anerkannte Architekten sprachen sich in einem Gutachten für eine Versetzung des Carsch-Hauses aus: die Professoren Helmut Hentrich (Düsseldorf), Harald Deilmann (Münster), und Hans Klammerer (Stuttgart), Dr. Hugo Hugot (Aachen) und Freiherr Alexander von Branca (München). Im Februar 1977 stimmten alle Fraktionen im Stadtrat für eine Versetzung und Gespräche mit potentiellen Investoren wurden aufgenommen.

Die Horten-Initiative

Horten wollte die Versetzung finanzieren, das wiedererrichtete Carsch-Haus zum Teil als Kaufhaus eigener Prägung nutzen und darüber hinaus eine Fülle von Möglichkeiten zur Entspannung, für Kultur, Bildung und Kommunikation schaffen. Anfang 1978 beriet der Rat der Stadt Düsseldorf diese Vorstellung und beschloss einstimmig die Versetzung.

Abbildung

Fotos: Helmut Siebe (Innen); Manfred Hanisch (Aussen)

Fakten

Mit 176.000 m³ umbautem Raum ist das Carsch-Haus damals, zusammen mit dem Erweiterungsbau des Wilhelm-Marx-Haus und der Tiefgarage, einer der größten Baukomplexe Düsseldorfs.

Architekt

“Architektengemeinschaft Carsch-Haus“ (ACG), gebildet von Hentrich-Petschnigg & Partner (HPP) Rhode, Kellermann, Wawrowsky + Partner (RKW)

Adresse / Lageplan

Größere Kartenansicht

Heinrich-Heine-Allee 53, 40213 Düsseldorf

Gastro / Umgebung

Bazzar Caffe, Altstadt, Carlstadt, Königsallee